KAYROMA
KAIROMA Research Journal
KAYROMA Research / Analyse 01

Europa 2015–2025: von Arbeitslosigkeit zum Matching-Problem

In zehn Jahren hat sich der europäische Arbeitsmarkt in den Kennzahlen deutlich verbessert. Gleichzeitig berichten Menschen und Unternehmen weiterhin von Schwierigkeiten, die passende Gegenseite zu finden. Die KAYROMA-Daten deuten darauf hin, dass es zunehmend um Matching statt nur um einen Mangel an Jobs oder Menschen geht.

UmfangEuropa / 2015–2025
KAYROMA Research 2026
Arbeitnehmer + Arbeitgeberkontext

Vor zehn Jahren war Arbeitslosigkeit eines der zentralen Probleme des europäischen Arbeitsmarkts. Heute sind die Kennzahlen deutlich besser, und trotzdem kann es schwierig sein, die richtige Arbeit oder den richtigen Mitarbeiter zu finden. Dieser scheinbare Widerspruch ist der Ausgangspunkt unserer Analyse.

Der Markt hat sich grundlegend verändert

Laut Eurostat lag die Arbeitslosenquote in der EU-28 im Jahr 2015 bei 9,4%. 2025 lag sie für die heutige Zusammensetzung der EU bei 6,0%. Gleichzeitig stieg die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-Jährigen von 70,1% im Jahr 2015 auf den Rekordwert von 76,1% im Jahr 2025.

Die Zusammensetzung der EU ist wegen des Brexit nicht identisch, die Richtung ist dennoch eindeutig: Europa bewegte sich von hoher Arbeitslosigkeit zu deutlich höherer Beschäftigung und zunehmend gemeldeten Arbeits- und Fachkräfteengpässen.

9,4%Arbeitslosigkeit EU-28 im Jahr 2015
6,0%Arbeitslosigkeit EU im Jahr 2025
76,1%Beschäftigungsquote 20–64 im Jahr 2025

Fachkräftemangel bedeutet nicht, dass es keine Menschen gibt

Die Europäische Kommission stellt fest, dass Arbeits- und Fachkräfteengpässe in den Mitgliedstaaten fast ein Jahrzehnt lang zugenommen haben. 2024 nannte sie 42 EU-weite Mangelberufe; fast zwei Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen gaben an, nicht die benötigten Talente zu finden.

Damit ändert sich die Perspektive. Wenn Volkswirtschaften Arbeitsplätze schaffen, Unternehmen offene Stellen melden und Menschen gleichzeitig Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche beschreiben, lässt sich das Problem nicht allein durch die Zahl der Stellen erklären.

Was die KAYROMA-Umfrage zeigt

In der KAYROMA-Studie lag die durchschnittliche Bewertung der Schwierigkeit der Arbeitssuche bei 5,5/10. 37% der Teilnehmer, die diese Frage beantworteten, bewerteten die Schwierigkeit mit 7 bis 10.

Das beweist nicht, dass der gesamte europäische Arbeitsmarkt das Problem im gleichen Ausmaß erlebt. Die KAYROMA-Stichprobe ist klein und wird von Befragten aus Polen dominiert. Sie ist dennoch eine relevante qualitative Beobachtung: Selbst bei Rekordbeschäftigung empfindet ein Teil der Erwerbsbevölkerung die Suche nach der passenden Arbeit als schwierig.

Die Zahl der Arbeitgeberantworten ist zu klein für repräsentative Kennzahlen, die Richtung passt jedoch zu breiteren europäischen Daten: Es gibt hohe Bewertungen der Rekrutierungsschwierigkeit, lange Suchzeiten und technische bzw. spezialisierte Berufe, die als besonders schwer zu besetzen genannt werden.

Die wichtigste Veränderung des Jahrzehnts könnte darin liegen, dass Europa immer seltener nur fragt „gibt es Arbeit?“ und immer öfter „warum treffen die richtige Arbeit und der richtige Mensch trotzdem so häufig nicht aufeinander?“

Vom Stellenmarkt zum Matching-Markt

Klassische Jobportale lösten vor allem ein Informationsproblem: Eine Stelle wird veröffentlicht und ein Kandidat kann sie finden. Heute ist der Markt komplexer. Eine Person kann mehrere Länder, Beschäftigungsformen und verwandte Berufe berücksichtigen. Ein Unternehmen kann grenzüberschreitend suchen und gleichzeitig Sprache, Verfügbarkeit, Nachweise und Erfahrung verlangen.

Dass Stelle und Kandidat existieren, garantiert daher noch kein Treffen. Immer wichtiger wird die Passung von Beruf, Spezialisierung, Land, Umzugsbereitschaft, Sprache, Zusammenarbeitsform, Qualifikationen und dem Zeitpunkt, zu dem beide Seiten tatsächlich verfügbar sind.

Schlussfolgerung von KAYROMA Research

Die makroökonomischen Daten zeigen einen großen europäischen Schritt hin zu hoher Beschäftigung. Die KAYROMA-Daten zeigen gleichzeitig, dass bessere Kennzahlen die Reibung im Rekrutierungsprozess nicht beseitigt haben.

Unsere Forschungshypothese lautet deshalb: Ein wachsender Teil des europäischen Arbeitsmarktproblems verschiebt sich vom Mangel an Möglichkeiten zum unvollkommenen Matching zwischen bereits vorhandenen Möglichkeiten und bereits vorhandenen Menschen. Weitere KAYROMA-Analysen werden diese Hypothese aus unterschiedlichen Perspektiven prüfen.

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